Freie Marktwirtschaft – Ende der Vernunft?

Jan 10th, 2010 | By Sepp | Category: Demokratie, Economia / Wirtschaft, SEPP BLOG, Umwelt/Ambiente

 

(10.01.10) Vorgestern war ich bei einem Diskussionsabend im Stadttheater in Bozen. „Das Herz dem Kapitalismus – Wachstum um jeden Preis?“
Die „Politik der Erbarmungslosigkeit“, wie sie von der der Eisernen Lady Margareth Thatcher vor Jahren als einzig mögliche gesehen wurde, wird immer noch verteidigt. „There is no Alternative!“

Auch ein junger Professor für Wirtschaftspolitik an der Freien Universität Bozen hat vorgestern den freien Markt als derzeit bestmögliche Lösung hingestellt, weil dieser sich selbst viel besser reguliere, als es durch Politiker möglich wäre.

Ich mache mir Sorgen, wenn unsere Jugend an der Uni Bozen so wirtschaftsliberalen Professoren ausgesetzt ist, die den Glauben an ewiges Wachstum stärken und den Turbokapitalismus direkt und/oder indirekt unterstützen.  

 

Zum Glück saß auch Christian Felber am Podium, der konkrete Vorschläge gemacht hat, wie es mit neuen Werten für die Wirtschaft möglich wäre, eine gerechtere Welt aufzubauen.

Mir wurde wieder einmal klar: Wo ein Wille, da gäbe es auch Lösungen, wo kein Wille, da hat man tausend Ausreden!

 

Gestern fand ich in einer Tageszeitung einen Leserbrief von Thomas Malfertheiner, überschrieben mit „Überproduktion“. Darin werden anhand eines konkreten Problems die schlimmen Auswirkungen des freien, nur auf kurzfristigem Gewinn ausgerichteten Marktes aufgezeigt. Ich will diesen Leserbrief leicht gekürzt hier übernehmen und hoffe, dass Herr Malfertheiner dagegen nichts einzuwenden hat.

 

Bei Computern „sind unvorhergesehene Abstürze, Systemfehler und schlechte Internetverbindungen die kleinste Sorge. Weit mehr müsste uns zu denken geben, wie viele Rechner oft nach nur kurzer Lebensdauer ausgemustert werden.

Jährlich fallen bis zu 50 Millionen Tonnen Elektromüll noch brauchbarer Geräte an, die nicht mehr ‚up to date‘ sind. Nur ein Bruchteil erfährt eine ordnungsgemäße Entsorgung.

Viele Teile werden illegal in Entwicklungsländer verscherbelt, die dort eine sehr gefährliche Bestimmung finden. In Ghana und Indien z.B. schlachten vor allem Kinderhände die Maschinen aus, um Werkstoffe herauszuholen. Zur Überlebenssicherung hantieren sie mit hochtoxischen Stoffen, wissend um das Risiko von Krebs, Schädigung des Nervensystems und Fehlentwicklungen. Allein diese unmenschlichen Konditionen müssten die ‚IT-Welt‘ dazu anspornen, mehr auf die sorgfältige Auswahl, geringere Chemikalienkonzentration, langlebige Produkte und Reparierbarkeit  zu setzen.

Das globale Energie- und Klimadilemma erzwingt auch zu Herunterfahren der Herstellungsverfahren von derzeit 1,8 Tonnen Rohstoffen pro PC.

EDV darf einfach nicht ‚Ende der Vernunft‘ bedeuten!“

2 comments
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  1. Der Preis des unbegrenzten Wachstums wird sein, dass wir materiell an dessen Grenzen stoßen werden. Doch das unbegrenzte Wachstum ist der Preis damit das Wirtschaftssystem so wie es ist nicht zusammenbricht.

    Doch es genügt nicht, die Fehler des aktuellen Systems anzuprangern, man muß auch gangbare Alternativen anbieten. Und das kann ich leider beim Bestseller-Autor und Selbstvermarketer Christian Felber leider nicht finden.

    Es wäre besser man würde sich mit systemkritischen Autoren auseinandersetzen, die sich im Fach auskennen und davon gibt es in den Wirtschaftswissenschaften genug jenseits des neo-liberalen Mainstreams.

    Prof. Hans Christian Binswangenr und Prof. Bernd Senf setzen sich mit den blinden Flecken der Ökonomie auseinander und zeigen die Punkte im System auf, die verändert werden müssen damit die Marktwirtschaft gut funktionieren könnte.

    Ausgerechnet die Marktwirtschaft besitzt die Eigenschaften mit denen man unsere aktuelle Produktionsweise resourcensparend umstellen könnte, nämlich mit einer ökologischen Steuerreform. Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte man die Marktlogik aus den Bereichen der Gesellschaft zurückdrängen in denen sie nicht zu suchen hat, und die Einführung einer umlaufgesicherten Währung würde ein wucherndes Finanzsystem verhindern.

    Solange man sich nicht mit echten Alternativen auseinandersetzt hat Margareth Thatcher recht:
    „There will be no Alternative!“

  2. Natürlich hat ein Kommentarschreiber in einem Blog kein Recht auf Veröffentlichung genauso wie ein Leserbriefschreiber in einer Zeitung. Doch gehört es zu dem Geist dieses neuen Mediums mehr Polemik zuzulassen. Dadurch bietet zwar ein Blog-Betreiber Angriffslfäche, andererseits bekommt er dadurch mehr Besucher und hat die Gelegenheit ein gewisses Forum zu bilden.

    Diese Gelegheit verpassen sie, und machen ihren blog weniger attraktiv.

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