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BBT - Stand der Planung | Man tut so, als sei der Tunnel eine beschlossene Sache

Mai 10th, 2009 | By Redaktion | Category: BBT, Leitartikel/ in primo piano, Verkehrspolitik / politiche dei trasporti

Zur Zeit wird nur am Erkundungsstollen für die Planung des Brennerbasistunnels (BBT) gebaut. Bauwerber und Politiker tun aber so, als sei der BBT selbst schon eine beschlossene Sache. Ein Marketingtrick und eine schwerwiegende Verzerrung der Wirklichkeit.

Einige Fakten.

Der BBT selbst mit seinen 56 km Länge ist mehr oder weniger geplant. Für die Ausführungsplanung müssen allerdings die geologischen Erkenntnisse eingearbeitet werden,die sich aus dem Bau des Probestollen ergeben. Diese können aufgrund der geologisch schwierigen Verhältnisse nicht absehbare Kostensteigerungen mit sich bringen.

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Korridor 1 der TEN-Achse von Berlin bis Palermo. Ein Aspekt der in der öffentlichen Debatte zumeist zu kurz kommt, der aber für die Bewertung des BBT-Projekts wichtig ist, ist die Frage nach den treibenden Kräften, die hinter diesem Projekt stehen.

Immer wieder betonen Fachleute, auch die Experten vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Innsbruck, dass die gewählte Trasse vom geologischen Standpunkt aus die schwierigste ist. Ich frage mich da schon, ob die Steuergelder gut eingesetzt werden,wenn man vor vorne herein weiß, dass die „Herausforderungen” und Problemstellungen an der gewählten Strecke außergewöhnlich hoch und riskant sind.

2003/04 wurden Vorprojekte und Studien für den Abschnitt Franzensfeste-Waidbruck sowie für die Umfahrung von Bozen und später für das Südtiroler Unterland gemacht. Heuer (2009!) soll mit den Ausführungsplänen begonnen werden.

Da wir wissen, dass hinter dem BBT vor allem die Interessen der Bauwirtschaft stehen, ist zu erwarten, dass mit Hochdruck versucht wird, möglichst viele große Baustellen zu eröffnen, obwohl die baureifen Abschnitte für sich alleine absolut keinen Sinn machen und die parallel zu errichtenden Zulaufstrecken weder konkret geplant noch finanziert sind. Müssen wir uns hier dem Diktat der Baukonzerne beugen, die nur an riesige Stücke des Steuergeldkuchens heran wollen?

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BBT-Streckenführung von Innsbruck bis Aicha: Immer wieder und wieder wurde und wird den Leuten erklärt, dass alles schon entschieden und finanziert sei. Das trifft aber nicht zu. Die Baukonzerne und Banken drängen trotzdem auf einen schnellen Baubeginn.

Diese Bedenken werden noch größer, wenn man weiß, dass die italienische Bahn zur Zeit nicht in der Lage ist, die südlichen Zulaufstrecken zum Gotthard-Tunnel konkret zu planen und zu errichten. Wenn der Gotthard-Tunnel 2017 in Betrieb gehen wird, könnte der Fall eintreten, dass seine Kapazität auf Grund der mangelnden Anbindung an Italien nur zu einem kleinen Teil ausgelastet werden kann. Wird es beim BBT und bei der Anbindung an den „Corridoio 5″ im Susa-Tal auch so gehen?

Keine Studie und kein Vorprojekt gibt es für den eigentlichen Flaschenhals im Eisacktal, und zwar für den Abschnitt Waidbruck-Kardaun (Schlerntunnel und Tunnel zwischen Blumau und Kardaun). Der Schlerntunnel ist bereits heute besonders wartungsintensiv und in den Vormittagsstunden nur sehr eingeschränkt nutzbar, weil es dem Vernehmen nach Probleme bei der Fixierung der Schienen auf dem Beton-Untergrund gibt und ständige Wartungsarbeiten erforderlich sind.

Im Unterinntal in Nordtirol, wo der Nord-Süd- sowie der Ost-Westverkehr durchfließt und wo heute zwischen Innsbruck und Wörgl bereits rund 330 Züge verkehren (nahezu drei Mal soviel wie am Brenner!) ist ein drittes und viertes Geleise in Bau. Der Ausbau der Unterinntalstrecke macht auch ohne BBT Sinn, weil dort sowohl Nord-Süd-, als auch Ost-West-Verkehre zusammen geführt werden und zusätzlich hochfrequente Personenverkehre anfallen.

Der Abschnitt Innsbruck-Franzensfeste ist der am schwächsten befahrene Teil der Brenner-Bahnlinie. Das Angebot im Personenreiseverkehr zwischen München und Verona wird seit Jahren systematisch abgebaut. Ist es sinnvoll, mit den Baumaßnahmen dort zu beginnen, wo am wenigsten Verkehr ist? Wie ernst es der italienischen Bahn mit der Ertüchtigung des Schienennetzes ist, kann man auch daran ermessen, dass seit sagenhaften vierzig Jahren am Bau des zweiten Geleises zwischen Verona und Bologna gearbeitet wird.

Fakt ist, dass mit dem Bau des BBT nicht nur noch nicht begonnen worden ist. Der Probestollen ist nicht Bestandteil des BBT-Projekts, sondern dessen Voraussetzung und somit ein eigenes Vorhaben. Mit den vielen BBT-Tafeln, die an den Baustellen hängen, und vielen bewusst missverständlichen Aussagen soll in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, der BBT sei beschlossene Sache und bereits im Bau. Das ist eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit, für die ich in Südtirol den Landeshauptmann und auch willfährige Polit-Sekundanten verantwortlich mache. Dass noch Genehmigungen fehlen und die Finanzierung nicht sichergestellt ist, wird von den mächtigen BBT-Freunden tunlichst verschwiegen und nebulös überdeckt. Auch die Aufrüstung der BBT SE mit Management-Kalibern vom Format des abgewählten Eisacktaler Bezirkspolitikers Walter Baumgartner kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der BBT SE zur Zeit um eine Art Geistergesellschaft handelt - die allerdings schon viel Steuergeld verschlingt!

Alle, die tun, als ob alles schon beschlossene Sache sei, belügen sich selbst und andere.

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