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Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, eine Autobiographie zu schreiben. Als mich liebe Freunde ersuchten, im Stile meiner Blogs zum Brenner-Basistunnel ein Büchlein zu verfassen und dabei Autobiographisches einfließen zu lassen, habe ich sofort abgewinkt. Es war nicht nur eine Frage der Zeit, die das Verfassen von Texten verschlingt, es war viel mehr eine klare Unlust, über mich selbst etwas zu publizieren. Ich begründete es etwas ironisch:

  • Noch bin ich viel zu jung, um eine Autobiographie zu verfassen!
  • Politiker, die über sich selbst Bücher schreiben, betreiben Prostitution.

Allmählich habe ich mich doch weich klopfen lassen. Und es sind sogar zwei Bücher entstanden: ein Sachbuch zum Brenner-Basistunnel, das Jutta Kusstatscher in die Hand genommen hat und das bereits erschienen ist,  und dieses hier vorliegende Büchlein, das verschiedene Episoden aus meinem politischen Leben festhält. Es ist keine Biographie, es geht mehr um einige Etappen meines politischen Lebens und der BBT spielt nur mehr eine Nebenrolle.

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Ich lade Sie ein, mich auf ein paar Etappen meines politischen Lebens zu begleiten.

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Johann Kusstatscher, mein Vater, wurde 1890 auf Prackfied, einem hoch gelegenen Bauernhof in Villanders, geboren. Wesentlich geprägt wurde er durch ein sehr karges Leben und durch harte Schicksalsschläge.

Mitgeprägt hat ihn wohl auch in besonderer Weise der Erste Weltkrieg, an dem er als Zugführer im 4. Kaiserjäger-Regiment in Lwiw (Lemberg in Galizien) teilgenommen hat. Dabei wurde er im Kampf für die k.u.k.-Monarchie gegen das zaristische Russland mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und kehrte bereits 1915 schwer verwundet heim. Zuvor hatte er seinen dreijährigen Militärdienst im Trentino gemacht, d.h. in Welschtirol bzw. im ursprünglichen Südtirol. Auch im Alter sprach er immer noch von Deutschmetz, Welschmetz, von Rofereit und Folgereit statt von Mezzocorona, Mezzolombarda, Rovereto und Folgaria.

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Bruder Luis und Schwester Anna “bedienen” meinen Vater - zur Gaudi aller Beteiligten

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Sehr spät erst soll ich gehen gelernt haben. Aber sobald ich laufen konnte, von da ab war ich sehr viel zu Fuß unterwegs, im Sommer barfüßig und im Winter in Holzknospen, die unser Nachbar angefertigt hatte. Schon im Vorschulalter war es selbstverständlich, dass wir auch längere Wege wie beispielsweise jenen auf die Alm zu Fuß zurückgelegt haben. Das sind immerhin 800 Höhenmeter und rund sieben Kilometer langer Weg.

Ich habe als Oberschüler öfters sehr lange Wegstrecken bewältigt, beispielsweise bin ich mit 16 Jahren von Dorf Tirol an einem Tag nach Villanders gewandert, habe dabei grob geschätzt 3200 Höhenmeter bewältigt und ca. 50 km in knapp 12 Stunden zurückgelegt, die Pausen eingerechnet. Wir waren auch ohne Auto mobil.

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Das bin ich vor meinem Heimathaus, dem Ansitz Pfleg in Villanders

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Der ehemalige Landesrat Luis Kofler hat mir in einem privaten Gespräch im Jänner oder Februar 1991 erzählt, dass die Baustelle für den Euro-Tunnel am Ärmelkanal für ihn sehr ernüchternd gewesen sei. Er machte auch einen Vergleich mit dem Seikan-Tunnel, einem ähnlich langen Eisenbahntunnel in Japan. Er zweifelte sehr stark an der Sinnhaftigkeit dieser Großprojekte. Von ihm hörte ich das erste Mal den Vergleich mit einer „Kathedrale in der Wüste”. Es seien teure Bauwerke ohne richtige Einbindung in ein Verkehrsnetz, mit keinem oder nur mit geringem Nutzen aus verkehrspolitischer Sicht.

1988/1989, das war die Zeit der Grundsatzentscheidung, nämlich darüber, wo eine neue alpenquerende Eisenbahn-Tansversale zwischen München und Verona verlaufen soll.  Die Entscheidung fiel für den Brenner, und zwar zu Gunsten eines „Basistunnels” von Innsbruck nach Franzensfeste (im Gegensatz zu einem in früheren Jahren diskutierten „Scheiteltunnel” zwischen Matrei und Sterzing). So wollten es 19 große Baufirmen aus Deutschland, Österreich und Italien, die in den 80er Jahren den Bau einer Hochgeschwindigkeitseisenbahn von Berlin nach Palermo vorgeschlagen hatten.

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Die Baustelle für den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal bei La Coquelle - dort begann mein Umdenken in Sachen BBT

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Vom Dezember 1974 bis zum Juni 1985 war ich Bürgermeister von Villanders.

Die Art und Weise, wie ich zum Bürgermeister gewählt wurde, war allerdings nicht ganz koscher.

Bei den Gemeinderatswahlen im November 1974 hatte ich kandidiert und erhielt als Neuling am dritt- oder viertmeisten Vorzugsstimmen. So ganz genau weiß ich es nicht mehr. In Villanders hat sich nur eine Liste, jene der Südtiroler Volkspartei (SVP), der Wahl gestellt. Ich habe als Parteiloser kandidiert und wurde erst später Mitglied der SVP. In den vorangegangenen 20 Jahren gab es auch immer nur eine einzige Liste in Villanders. Erst 1980 kandidierte auch eine parteiunabhängige Bürgerliste.

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Straßenbau in Sauders/Villanders um 1980. Eine Streusiedlung in exponierter Hanglage mit einer Straße zu erschließen, ist immer delikat. Dabei wird notgedrungen ein alte Kulturlandschaft durchschnitten.

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Zunächst habe ich nur geschmunzelt. So ungeheuerlich war der Vorwurf, dass ich ihn nicht wahrhaben wollte. Die Staatsanwaltschaft von Bozen teilte mir mit, dass gegen mich ermittelt würde, und forderte mich auf, einen Rechtsanwalt zu benennen. Grund dafür waren mehrere Strafgesetzartikel, gegen welche ich verstoßen haben soll: Verursachung einer Epidemie, Lebensmittelvergiftung, Wasserverseuchung, mehrfache Körperverletzung, Unterlassung und Willkür in Amtshandlungen.

Was hatte ich getan, bzw. was hatte ich nicht getan? Was war passiert?

Es war am Ende des Schuljahres 1977. Nur noch wenige Tage fehlten bis zum Schulschluss. Ich arbeitete damals als Verantwortlicher für berufliche Weiterbildung im so genannten Berufsschulinspektorat in Bozen bei Dr. Karl Kuppelwieder. Wenn ich aus Bozen abends heimwärts fuhr, ging ich immer zuerst in die Gemeinde, um das Neueste zu erfahren und um vordringliche Dokumente zu unterschreiben. Anfang Juni 1977 fiel mir auf, dass schon mehrere Tage hintereinander ein oder zwei Zettelchen vom Amtsarzt Dr. Josef Sullmann auf meinem Schreibtisch lagen.

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Alternative Energiequellen sind inzwischen weit verbreitet. So ist auch Südtirol die Nutzung von Hackschnitzel für Heizkraftwerke sowie von Gülle und Jauche zur Biovergasung eine Selbstverständlichkeit geworden. Dass es vor 20 Jahren noch ganz anders war, habe ich persönlich erfahren.

Nach meiner ersten Wahl in den Landtag im November 1988 fiel mir ein längerer Bericht über Energie und Landwirtschaft im Land Salzburg und in Oberösterreich in die Hände. Für mich war die Idee neu und gleichzeitig sehr einleuchtend.

Durch die tiefen Holzpreise wachsen die hiesigen Wälder immer mehr zu und wenn zwischendurch größere Mengen an Holz geschlägert werden, so zahlt es nicht aus, die Waldabfälle als Brennholz zu nutzen, da die Verarbeitung und Bringung zu teuer ist. Noch bedenklicher ist die Entwicklung bei der Verwertung von Mist und Jauche in den Stallungen. Solange es viel Getreideanbau gab, war die Überdüngung kein Thema.

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Nicht weil ich Lust daran hätte, alte Tabus zu brechen, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass die zweite Landessprache so früh wie möglich gelernt werden soll, ja, dass überhaupt sehr frühes Sprachenlernen von Vorteil ist, habe ich schon als SVP-Mandatar für die Förderung früher Mehrsprachigkeit gekämpft.

Vielfach war es ein Kampf gegen Windmühlen. Ein Grund mag auch sein, dass mein Zugang zur zweiten Landessprache und meine mangelhaften Kenntnisse moderner Sprachen überhaupt bei mir ein wesentliches Motiv waren und sind, dass ich die Lernbedingungen für nachfolgende Generationen in Südtirol immer schon ändern wollte.

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Es gibt keinen Grund, warum unsere Kinder und Enkel in Südtirol nicht von klein auf mehrsprachig aufwachsen sollten

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Im Frühjahr 1974 organisierte die Südtiroler Hochschülerschaft (SH) eine Studientagung im Waltherhaus in Bozen zum Thema „Universität Bozen”. Ich war damals SH-Vorsitzender. Walter Gufler und Elmar Locher waren zusammen mit anderen Mitglieder im Vorstand. Wir wollten unbefangen das Pro und Contra für Hochschuleinrichtungen für Südtirol diskutieren.

In Vorbereitung auf diese Tagung gab es mehrere Treffen mit Vertretern der damals im Landtag vertretenen Parteien. Nur den MSI (Movimento Sociale Italiano, die Vorgängerpartei der Alleanza Nazionale) haben wir Studenten aus der Parteienrunde ausgeschlossen, weil er für uns als undemokratisch galt. Die SVP hat zu diesen vorbereitenden Besprechungen immer auch eine Vertretung geschickt, jedoch fast immer andere Personen als beim vorhergehenden Treffen. Die SVP-Abgesandten legten immer besonderen Wert auf die Feststellung, dass sie zwar die SVP verträten, aber im Namen der SVP keine offizielle Stellungnahme abgeben könnten bzw. dürften.

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Die SVP sperrte sich lange gegen eine Uni in Bozen - als ich sie als SVP-Landtagsabgeordneter im Rahmen der Haushaltsdebatte 1989 forderte, handelte ich mir einen groben Rüffel von Luis Durnwalder ein.

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Die meisten Aufsätze in diesem Büchlein sind Beschreibungen von Ereignissen aus meinem politischen Leben. Ein beachtlicher Teil davon spielt sich innerhalb der SVP ab. Deshalb will ich hier auch darüber reflektieren, wie ich zur SVP kam und wie konfliktbeladen mein Verhältnis manchmal war und warum ich schließlich austrat. Auch will ich hier ein paar ethnopolitische Anmerkungen machen.

Manch kritische/r Leser/in mag manches in diesem Kapitel beschönigend finden. Natürlich versuche ich mich zu rechtfertigen und verstehe so vieles wie so oft im Nachhinein besser.

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1988 kandidierte ich für die SVP für den Südtiroler Landtag und wurde gewählt

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… wäre ich sicher nicht im Europäischen Parlament. Denn als Abteilungsdirektor der Landesverwaltung hätte ich 2003 nicht für den Landtag kandidieren können und ohne erfolgreiche Kandidatur bei diesen Landtagswahlen wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, mich als Kandidaten bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2004 ins Rennen zu schicken.

Wieso sollte ich der Erstverantwortliche der Berufsbildung für die deutsche und ladinische Berufsbildung in Südtirol werden bzw. wieso bin ich es nicht geworden?

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Auf seine hemdsärmelige Art hat Luis Durnwalder meine Karriere als Berufsschulinspektor verhindert - und damit meinen Weg zum EU-Parlamentarier gefördert

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Wer meint, ich sei erfolgsverwöhnt, soll zumindest diesen Aufsatz lesen. Vom 1. September 1975 bis zum Sommer 1976 leitete ich gemeinsam mit meiner Frau das Südtiroler Kinderdorf in Brixen.

Als ich mich um diese Stelle bewarb, hatte ich nur vages Wissen über das Südtiroler Kinderdorf, das Jahre zuvor aus dem Verband der SOS-Kinderdörfer ausgeschlossen worden ist. Auch wusste ich nicht genau, warum Bischof Joseph Gargitter sein Patronat über das Südtiroler Kinderdorf schon bald nach der Gründung 1956 wieder zurückgelegt hatte.

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Das Südtiroler Kinderdorf ist eine wichtige und nützliche Einrichtung - mit der einen oder anderen Schattenseite…

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Unmittelbar nach den Landtagswahlen 2003 wurde eine Wirtschaftsaffäre rund um die Sennereigenossenschaft Milkon und die Nahrungsmittelverkaufs-Gesellschaft Gastrofresh zum Tagesthema in Südtirol.

Da die Geschichte selbst noch nicht lange zurückliegt und da sehr viel darüber geschrieben wurde - ich selbst habe einen fast 90 Seiten langen Bericht mit mehr als 50 Anlagen verfasst, der auch im Internet gelesen werden kann - , will ich es hier kurz machen.

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Ein privates Komitee um Sigmund Kripp und Hans Heiss hat Spenden gesammelt, um die klagenden Milkon-Bauern nach der als ungerecht empfundenen Verurteilung der Bauern zur Übernahme der Prozesskosten zu unterstützen. Hier nimmt Josef Fulterer einen Scheck entgegen

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Linke und Grüne werden in der allgemeinen Debatte gerne als „vaterlandslose Gesellen” hingestellt. So kommt es, dass Nationalisten allzu oft den „Schutz der Heimat” für sich allein in Anspruch nehmen.

Ich halte es mit Thomas Masaryk, dem ersten Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, der einmal gesagt hat: „Ich liebe das patriotische Gerede nicht… Liebst du dein Land, so brauchst du darüber nicht zu reden. Tu etwas Anständiges, um etwas anderes geht es nicht.”

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Ist das die einzige Möglichkeit, Heimatliebe zu zeigen? Ich denke: nein!

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