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Linke und Grüne werden in der allgemeinen Debatte gerne als „vaterlandslose Gesellen” hingestellt. So kommt es, dass Nationalisten allzu oft den „Schutz der Heimat” für sich allein in Anspruch nehmen.

Ich halte es mit Thomas Masaryk, dem ersten Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, der einmal gesagt hat: „Ich liebe das patriotische Gerede nicht… Liebst du dein Land, so brauchst du darüber nicht zu reden. Tu etwas Anständiges, um etwas anderes geht es nicht.”

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Ist das die einzige Möglichkeit, Heimatliebe zu zeigen? Ich denke: nein!

Von Masaryk habe ich vor kurzem die Rede gelesen, die er als Reichtagsabgeordneter am 4. Juni 1908 im Abgeordnetenhaus in Wien über die kirchenpolitische Bedeutung der Wahrmund-Affäre gehalten hat. Die abgedruckte Redeniederschrift trägt den Titel: „Freie wissenschaftliche und kirchlich gebundene Weltanschauung und Lebensauffassung.” Solche Gedankengänge über Trennung von Staat und Kirche durch einen gescheiten Mann vor hundert Jahren sind topaktuell.

Meine „Vaterlands-Verteidigung” soll vor allem sichtbar werden in meinem Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, z.B. im Kampf gegen den ausufernden Transitverkehr, und im Einsatz für ein friedliches Miteinander der Menschen in meiner Heimat.

Für manche Leser/innen mag es daher durchaus interessant sein, was ich auf Einladung der Villanderer Schützen am 18. Februar 2007 anlässlich des Andreas-Hofer-Gedenktages gesagt habe.

Hier mein Manuskript, an das ich mich mehr oder weniger in meiner Rede gehalten habe:

„Gedenktage so wie dieser, fast 200 Jahre nach dem Tode von Andreas Hofer und Peter Mayr, hier am Denkmal der Gefallenen beider Weltkriege, solche Gedenktage sollen vor allem zum Denken anregen. Gedenken und Denkmal, beide Wörter sind von Denken abzuleiten.

Aufgrund der aufgeregten und hitzigen Diskussionen über nationalistisches Gedankengut innerhalb der Schützen auf Landesebene will ich hier und heute kurz über Heimat nachdenken bzw. zum Nachdenken anregen. Ich weiß, dass bei den Worten Heim, Daheim und Heimat sofort heimelige Gefühle, Emotionen, wach gerufen werden. Das ist auch recht so. Nur, das soll nicht heißen, dass wir uns nicht auch sachlich und kritisch überlegen sollen, was alles notwendig ist, damit unser Zuhause, unsere Gemeinde, unsere Talschaft und unser Land Südtirol wirklich auch langfristig Heimat bleiben bzw. werden. Unter Heimat verstehe ich jenen Ort, jenes Stück Erde, wo man sich wohl fühlt und wo man bleiben möchte.

Wir gedenken heute kriegerischer Auseinandersetzungen. Dabei wird vielfach behauptet, dass Kriege vorwiegend der Verteidigung der Heimat gedient hätten. Bei den meisten Kriegen kann das aber leider nicht behauptet werden.

Die europäische Geschichte ist vielfach nichts anderes als eine Reihe von Berichten darüber, wie Stämme, Volksgruppen und Völker gegeneinander immer wieder Kriege geführt haben. Nach den beiden katastrophalen Weltkriegen war es daher ein weiser Beschluss der damals politisch Verantwortlichen (Adenauer, Dagasperi, Schuhmann und Churchill), eine Wirtschaftsgemeinschaft zwischen einigen zentraleuropäischen Staaten aufzubauen. Daraus ist nun im Laufe von 50 Jahren eine große Friedensgemeinschaft entstanden, die EU, der inzwischen 27 Staaten angehören.

Was ist eigentlich das Rezept, damit so unterschiedliche Staaten mit verschiedenen Sprachen, Kulturen, Religionen, Traditionen… friedlich zusammenarbeiten?

Mit dieser Frage kommen wir der Idee und dem Begriff Heimat näher.

Es ist nicht die Abgrenzung! Es ist nicht das Wir-sind-wir-Gehabe, es ist nicht nationalistischer Stolz, wo jede Nation glaubt die beste zu sein. Es sind vielmehr die Feststellung und die Bejahung, dass es sehr viele Unterschiede gibt. Es ist der Respekt vor anderen und das Selbstverständnis, dass der andere auch anders sein darf. Es ist die Erkenntnis, dass Vielfalt etwas Schönes und Positives ist. Europa hat daher nicht eine einheitliche Sprache. Die EU hat inzwischen sogar 22 Amtssprachen und viele weitere mehr oder weniger anerkannte Minderheitensprachen. In dieser Vielfalt entsteht ein friedliches Nebeneinander und Miteinander, nicht Gleichmacherei und Gleichschritt. In dieser Vielfalt wächst Europa immer mehr zu einer großen Heimat, wo niemand Angst haben muss, wegen seiner Sprache, wegen seiner Religion oder wegen seiner Hautfarbe verfolgt zu werden.

Das können wir sehr gut auch auf Südtirol, auf das Eisacktal und auf Villanders übertragen.

Also nochmals die Frage: Entsteht Heimat, wenn alle gleich sind, alle gleich denken und reden und wenn es keine oder möglichst wenig Unterschiede gibt? Noch krasser gefragt: Ist Monokultur anzustreben?

Genau das Gegenteil!

So wie in der Natur gilt auch in der Gesellschaft: Vielfalt ist schön, Vielfalt ist bereichernd.

Wie kann jede/jeder von uns einen Beitrag leisten, damit mehr Heimat entsteht?

Wenn wir uns bewusst sind, dass Vielfalt eine Bereicherung ist, dann schwinden die Ängste vor dem Fremden und das Misstrauen gegenüber anderen. Ja, es wächst Neugier auf Fremdes. Durch das Kennenlernen wächst auch die Wertschätzung.

Heimat ist also auch Vielfalt. Heimat ist Toleranz gegenüber anderen. Südtirol ist dadurch, dass hier ein Viertel der Einwohner Italiener sind, sicher stärker herausgefordert, aber auch kulturell viel reicher geworden. Das Gleiche gilt auch bezüglich der Ausländer. Ausländer kommen nicht nur als Arbeitskräfte oder als Touristen ins Land und tragen somit für mehr Wohlstand bei, sie bringen auch andere Mentalitäten und Sichtweisen, andere Sprachen und Traditionen ins Land. Und das ist als Bereicherung zu sehen, nicht so sehr als Gefahr und Bedrohung!

Wenn wir uns einen Schubs geben und versuchen, mit diesen neuen Gästen ins Gespräch zu kommen, dann werden wir bald drauf kommen, dass diese Menschen mit ihrem Denken und Fühlen uns gleichwertig sind. Unser Respekt diesen neuen Gästen gegenüber wird wachsen. Aus Fremden werden Bekannte, aus Gästen werden Freunde, es wachsen gegenseitig Respekt und Wertschätzung … und so entsteht Heimat, wo wir uns alle wohl fühlen können. Wir sind Gewinner und die anderen auch. Es entsteht eine Gewinn-Gewinn-Situation, nicht Sieger und Besiegte.

Die Hauptgründe dafür, dass Heimat zerstört wird, sind kurzsichtiger Egoismus sowie Gleichgültigkeit und Hass gegenüber anderen.

Das soll mein Denkanstoß bei der heurigen Gedenkfeier vor dem Denkmal der Gefallenen sein.

Auch ein Aufruf, damit in Zukunft keine neuen Kriegsgedenkstätten mehr errichtet werden müssen.”

2 Kommentare auf “KAPITEL vierzehn | Patriotismus”

  1. Nicholas sagt:

    korea@tan.sermon” rel=”nofollow”>.…

    tnx for info!…

  2. Miguel sagt:

    aloud@glitter.clothesline” rel=”nofollow”>.…

    tnx for info!!…

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