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Unmittelbar nach den Landtagswahlen 2003 wurde eine Wirtschaftsaffäre rund um die Sennereigenossenschaft Milkon und die Nahrungsmittelverkaufs-Gesellschaft Gastrofresh zum Tagesthema in Südtirol.

Da die Geschichte selbst noch nicht lange zurückliegt und da sehr viel darüber geschrieben wurde - ich selbst habe einen fast 90 Seiten langen Bericht mit mehr als 50 Anlagen verfasst, der auch im Internet gelesen werden kann - , will ich es hier kurz machen.

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Ein privates Komitee um Sigmund Kripp und Hans Heiss hat Spenden gesammelt, um die klagenden Milkon-Bauern nach der als ungerecht empfundenen Verurteilung der Bauern zur Übernahme der Prozesskosten zu unterstützen. Hier nimmt Josef Fulterer einen Scheck entgegen

Nur ein paar Fakten müssen festgehalten werden. Die beiden Milchproduzenten-Genossenschaften Mila in Bozen und Senni in Bruneck mit insgesamt rund 4.300 Bauern als Mitglieder hatten sich zu einer Sekundärgenossenschaft namens Milkon zusammengeschlossen. Diese Form der Fusion wurde den Bauern von Politikern und von Wirtschaftsfachleuten empfohlen. Ein gewisser Andreas Herr Huber aus Vintl, vorher Geschäftsführer bei der Speck- und Wurstfirma Gasser in Klausen, wurde Geschäftsführer der Milkon. Auf seinen Vorschlag hin und unterstützt von Wirtschaftsfachleuten im Aufsichtsrat wurde die Vermarktung der eigenen Milchprodukte ausgelagert und dafür gemeinsam mit der Fa. Gasser in Klausen die Firma Gastrofresh gegründet. Huber, nun Geschäftsführer der Genossenschaft Milkon und gleichzeitig auch der Firma Gastrofresh, war von Beginn an auch Teilhaber an der Gastrofresh. Durch Vorkaufsrechte, die im Gründungsvertrag der Gastrofresh festgeschrieben waren, kam der Geschäftsführer Huber selbst zu sehr günstigen Bedingungen auf 50 % der Anteile der Gastrofresh, nachdem die Fa. Gasser in Klausen Konkurs anmelden und aussteigen musste. Hinter sämtlichen Aktionen stand immer ein- und derselbe Wirtschaftsberater von Bozen, der mit sehr lukrativen Gagen die entsprechenden Verträge vorbereitet und als Aufsichtsratsmitglied die Bauernvertreter in den Vorständen beraten hatte.

Fakt ist, dass die 4.300 Bauern fast ein Jahrzehnt lang rund 100 Lire pro Liter Milch weniger ausbezahlt bekommen haben als andere Bauern, die beispielsweise an die übrigen kleineren Genossenschaften in Südtirol angeschlossen waren, und dass Herr  Huber inzwischen ein Wirtschaftsimperium besitzt, das nur aufgrund eines schönen Doppelgehaltes als Geschäftsführer in der Genossenschaft Milkon und in der Fa. Gastrofresh nicht möglich gewesen wäre. Welchen Wert die Gastrofresh inzwischen besitzt, wissen jene, die jetzt im nachhinein versuchen, Herrn Huber Anteile abzukaufen, damit die Bauern wieder die Mehrheit in jener Firma bekommen, die ihre Milchprodukte verkauft.

Da der Raiffeisenverband als Aufsichtsbehörde allem Anschein nach nicht sorgfältig genug war, wie in den Medien verschiedentlich berichtet wurde, und da auch die Landesregierung als übergeordnete Aussichtsinstanz beschuldigt wurde, fahrlässig weggeschaut zu haben, wurde im Südtiroler Landtag sofort nach den Landtagswahlen im November 2003 eine Untersuchungskommission gefordert. Diese nahm auch bald unter dem Vorsitz des freiheitlichen Abg. Pius Leitner die Tätigkeit auf. Ich vertrat in dieser Kommission die Fraktion der Grünen-Verdi-Verc. Durch die mehr als sonderbare Regelung, dass der eine SVP-Vertreter in der Untersuchungskommission die absolute Mehrheit der Stimmen hat, war die Arbeit von vorne herein eine reine Farce. Anhörungen, Berichte und Protokolle waren für die Katze, nachdem zum Schluss Herr Baumgartner als SVP-Vertreter gegen den Bericht gestimmt hat.

Gleichzeitig befasste sich auch die Strafgerichtsbarkeit mit der Angelegenheit, weil einige der betrogenen Bauern Anklage erhoben hatten. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin die Finanzpolizei beauftragt, die Angelegenheit zu prüfen. Diese legte eine vernichtende Bewertung vor über die Art und Weise, wie hier Genossenschaften verwaltet wurden. Die Staatsanwaltschaft hat auch Zeugen angehört, allerdings nur einige der Angeklagten, keinen einzigen Kläger. Ich habe wiederholt beantragt, gemeinsam mit benachteiligten Bauern auch angehört zu werden, weil ich die Befürchtung hatte, dass Staatsanwalt Rispoli die ganze Sache, wie sie bei uns im Genossenschaftsbereich läuft, nicht richtig durchschauen könnte. Diese Anhörung wurde verweigert. Auf Betreiben des Oberstaatsanwaltes Tarfusser wurde die Klage der Bauern archiviert. In der Burteilung wurde festgehalten, dass die Bauern keine Nachteile gehabt hätten. Das äußerst kritische Gutachten der Finanzpolizei wurde dabei gar nicht zitiert.

Als ich daraufhin bei einem Interview mein Unverständnis zum Ausdruck gebracht und die Staatsanwaltschaft als einseitig kritisiert hatte, drohte Oberstaatsanwalt Tarfusser über die Medien mir mit einer Verleumdungsklage. Leider hat er diese Klage nicht erhoben, sonst hätte die strafrechtliche Dimension des Falles wohl genauer geprüft werden müssen.

Nun liegt der Streit noch immer bei der Zivilgerichtsbarkeit. Wenn es nach rechten Dingen zugeht, müssten die benachteiligten Bauern von den Profiteuren zumindest einen Teil von dem zurückbekommen, der ihnen genommen wurde. 100 Lire weniger pro Liter Milch, das war ein Siebtel des damaligen Milchpreises. Man könnte auch sagen, dass die Bauern im siebten Jahr mehr oder weniger gratis für Herrn Huber und seine Berater die gesamt Milch abgeliefert haben.

Ich habe mich noch mit keinem Streitfall so intensiv befasst wie mit diesem. Er ist für mich ein Paradebeispiel für Filz zwischen Verwaltung, Politik und Gerichtsbarkeit. Ein solcher Missbrauch ist nur in einem kleinen Land wie Südtirol möglich, wo jeder jeden kennt, wo eine Partei seit 60 Jahren die absolute Mehrheit hat und wo ein Medienhaus das gute und schlechte Wetter bestimmt. Quo usque tandeen kann!

1 Kommentar auf “KAPITEL dreizehn | Die gemolkenen Bauern”

  1. Gabriel sagt:

    screamed@podolia.biddies” rel=”nofollow”>.…

    ñïàñèáî çà èíôó!!…

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