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… wäre ich sicher nicht im Europäischen Parlament. Denn als Abteilungsdirektor der Landesverwaltung hätte ich 2003 nicht für den Landtag kandidieren können und ohne erfolgreiche Kandidatur bei diesen Landtagswahlen wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, mich als Kandidaten bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2004 ins Rennen zu schicken.

Wieso sollte ich der Erstverantwortliche der Berufsbildung für die deutsche und ladinische Berufsbildung in Südtirol werden bzw. wieso bin ich es nicht geworden?

luis-durnwalder

Auf seine hemdsärmelige Art hat Luis Durnwalder meine Karriere als Berufsschulinspektor verhindert - und damit meinen Weg zum EU-Parlamentarier gefördert

Ich könnte die Frage ganz kurz beantworten. Sabina Kasslatter Mur wurde nach den Landtagswahlen von 1998 Landesrätin und bekam die Ressorts für Schule und Berufsbildung. Sie hat mich gefragt, ob sie mich in der Landesregierung als „Berufsschulinspektor” vorschlagen dürfe. Und Landeshauptmann Durnwalder war dagegen. Klar, gegen den Willen des Landeshauptmannes geht nichts.

So einfach war es in Wirklichkeit nicht. Es war etwas Verworrener und eines der vielen Beispiele vom schlechten Stil des erfolgreichen Regierungschefs, der hier etwas näher beschrieben werden soll.

Günther Andergassen war nach der Pensionierung von Karl Kuppelwieser, der über 30 Jahre lang die Geschicke der Berufsbildung in Südtirol geleitet hatte, sowohl Ressortdirektor bei Landesrat Otto Saurer und somit für Gesundheit, soziales und Berufsbildung zuständig, andererseits gleichzeitig auch Direktor der Abteilung für die deutsche und ladinische Berufsbildung. Nach den Landtagswahlen am 22.11.1998 kam die bisherige Landtagspräsidentin Sabina Kasslatter Mur in die Landesregierung und erhielt den Kompetenzbereich Schule und Berufsbildung. Andergassen blieb Ressortdirektor bei Landesrat Saurer und musste somit die Berufsbildung abgeben.

Nach Rücksprache mit den Direktoren der deutschen und ladinischen Berufsschulen schlug Landesrätin Sabina Kasslatter Mur mich als deren Chef vor. Kasslatter Mur wusste wohl, dass Landeshauptmann Durnwalder mir nicht gut gesonnen war. Es war wohl die klassische Form der Parteifreundschaft (Steigerungsform: Feind - Erzfeind - Parteifreund). So teilte sie ihm mit, dass sie die Absicht habe, mich als neuen Abteilungsdirektor vorzuschlagen. Durnwalder soll ihr geantwortet haben: „Wenn du den Kusstatscher bringst, schau selber, wie Du ihn durchbringst. Ich bin dagegen.”

Landesrätin Kasslatter Mur hätte für ihren Vorschlag auch locker eine Mehrheit in der Landesregierung bekommen, hätte Durnwalder nicht im Vorfeld sein taktisches Spielchen betrieben. Telefonisch hat er den Kaufleutepräsidenten und gleichzeitig Vorsitzenden des Südtiroler Wirtschaftsringes Christian Masten um ein negatives Gutachten gegen mich ersucht, was dieser auch besorgt hat. Masten hat das mir gegenüber bestätigt und gleichzeitig bekräftigt, dass die Verbandspräsidenten im Wirtschaftsring ausdrücklich meine Kompetenz anerkennen würden. Es ging um eine Gefälligkeit für den Landeshauptmann. Sicher, ich war als Arbeitnehmervertreter nicht immer der angenehmste Partner der Wirtschaftsvertreter. Das wäre aber wohl kein Hindernis gewesen, nach 15-jähriger Erfahrung als Berufsschuldirektor die Verantwortung für die ganze Abteilung zu übernehmen.

Am 14. Mai 1999 lehnte die Landesregierung mehrheitlich mich als Berufsschulinspektor ab.

Die Wochenzeitung FF schrieb darauf: „Auf seiner Montag-Pressekonferenz sind dem Landeshauptmann zum Fall des Tages zwei sinnfällige Versprecher passiert: Er sprach vom ‚Fall Kusstatscher’ und wollte eigentlich nur ‚Fall Berufsschulinspektor’ sagen, und er sprach vom ‚Dr. Kusstatscher’. ‚Äh, Magister Kusstatscher’ korrigierte er sich sofort. Nie war Genauigkeit im Umgang mit Titeln wichtiger. Dass der Berufsschuldirektor und Ex-Landtagsabgeordnete nicht Doktor ist, sondern ‚nur’ Magister, ist die letzte Ausrede, dass ihn die Landesregierung nicht zum Nachfolger von Günther Andergassen als Berufsschulinspektor ernannt hat.”

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Der Chefredakteur Hans Karl Peterlini führte in der gleichen FF-Ausgabe mit Landeshauptmann Durnwalder ein Interview unter der Überschrift: „Luis Durnwalder über den Vorwurf einer Rachetat” - Dieses soll hier fast vollinhaltlich wiedergegeben werden.

FF: Herr Landeshauptmann, froh, dass Sie es Kusstatscher heimgezahlt haben…

Luis Durnwalder: Im Gegenteil, ich wäre froh gewesen, wenn alle Ruhe gegeben hätten. Sicher, gestern war ich auch dagegen und ich hätte den Beschluss nicht unterschrieben, weil man unter solchen Umständen nicht einen Beamten ernennen kann. Wenn jene dagegen sind, mit denen er zusammenarbeiten muss…

Wirtschaftsringpräsident Masten hat Kusstatscher gestanden, er habe nichts gegen ihn, sondern die Opposition gegen Kusstatscher auf Ihre Bitte hin eröffnet.

Der Masten muss wissen, was er will. Er hat mir einen Brief geschrieben, nicht ich ihm. Trotzdem sage ich: Wir haben nichts gegen Kusstatscher… (omissis)

Sauerer hat Ihnen mit dem Vorschlag Paul Zingerle aus der Patsche geholfen.

Wieso mir? Der Saurer nennt diesen Namen seit einem Monat, nur um zu sagen, dass ich nicht der bin, der da jemand verhindern will. Der Kusstatscher hat nur die Voraussetzung für einen Stellvertreter, und alle Wirtschaftsverbände waren gegen ihn. Da sage ich, warum sollen wir einen Posten nicht frisch ordentlich besetzen? Dem Kusstatscher zuliebe? Dann hätten Sie geschrieben, wir helfen einem ehemaligen Politiker zu einem Amt.

Mit Kusstatscher haben Sie immerhin offene Rechnungen. Sie haben verhindert, dass er in die Liste der Gründungsmitglieder der Freien Universität Bozen aufgenommen wird.

Daran kann ich mich nicht erinnern. Grundsätzlich war ich dagegen, dass Beamte hinein sollen.

Kusstatscher hätte zu den Gründungsmitgliedern gehört, weil er den Vorschlag Universität vor Ihnen gemacht hat, was Sie damals fürchterlich geärgert hat.

Ob er grad der Vater der Universität ist, weiß ich nicht. Aber tut’s doch nicht immer überall  Kontroverses hineininterpretieren. Dann könnte ich auch sagen, icvh habe gehört, er soll gesagt haben: Ich gehe auf keine Liste mehr, wo der Durnwalder drauf ist. Bitte, das ist sein Recht, deshalb muss ich doch nicht Rache üben. Ich habe nichts gegen ihn. Er soll ein guter Direktor sein, und ich denke, er wird auch ein guter Stellvertreter.

Wer es sich in diesem Land mit Durnwalder vertut, wird zurechtgestutzt?

Nein, sondern in diesem Land wird überall Streit hineininterpretiert, wo keiner ist. Wenn wir extra für den Kusstatscher eine Stelle nur provisorisch besetzen, obwohl wir sie auch fix besetzen können, dann könnte man ja auch sagen: Siehst du, weil die Chefin eine Arbeitnehmerin ist, wird der Arbeitnehmer mit allen Tricks befördert.

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Es wurde dann Peter Gapp für ein Jahr zum Abteilungsdirektor ernannt, ein Jahr später Peter Duregger.

1 Kommentar auf “KAPITEL 11 | Wäre ich Chef der Berufsbildung, dann…”

  1. Calvin sagt:

    sovereign@phonetics.distracting” rel=”nofollow”>.…

    áëàãîäàðåí!…

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