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Alternative Energiequellen sind inzwischen weit verbreitet. So ist auch Südtirol die Nutzung von Hackschnitzel für Heizkraftwerke sowie von Gülle und Jauche zur Biovergasung eine Selbstverständlichkeit geworden. Dass es vor 20 Jahren noch ganz anders war, habe ich persönlich erfahren.

Nach meiner ersten Wahl in den Landtag im November 1988 fiel mir ein längerer Bericht über Energie und Landwirtschaft im Land Salzburg und in Oberösterreich in die Hände. Für mich war die Idee neu und gleichzeitig sehr einleuchtend.

Durch die tiefen Holzpreise wachsen die hiesigen Wälder immer mehr zu und wenn zwischendurch größere Mengen an Holz geschlägert werden, so zahlt es nicht aus, die Waldabfälle als Brennholz zu nutzen, da die Verarbeitung und Bringung zu teuer ist. Noch bedenklicher ist die Entwicklung bei der Verwertung von Mist und Jauche in den Stallungen. Solange es viel Getreideanbau gab, war die Überdüngung kein Thema.

Im Gegenteil, der Bauer hatte immer zu wenig Düngemittel aus dem eigenen Stall für seine Wiesen und Äcker. Inzwischen hat allerdings eine radikale Veränderung in der Landwirtschaft stattgefunden. Fast nur mehr Wiesen und Futterpflanzen auf den wenigen Äckern. Aufgrund der relativ hohen Milchpreise lohnte es sich für viele Bauern zusätzlich noch Futtermittel zuzukaufen. Plötzlich wusste man nicht mehr wohin mit so vielen Mist, Gülle und Jauche und immer wieder kam und kommt es in Südtirol zu massiver Überdüngung und daraus folgenden Problemen für Umwelt und Grundwasser.

Ich las also, dass die Österreicher mit Erfolg angefangen hatten, aus diesen Überschüssen im Wald und im Stall Energie zu gewinnen: Hackschnitzel für den Betrieb zentraler Heizanlagen, Biogas aus Gülle und Jauche werden zu elektrischer Energie umgewandelt. Das leuchtete mir als relativ einfache und dezentralisierte Form der Energiegewinnung ein. Zudem sah ich darin eine Möglichkeit für die Bauern, ein Zusatzeinkommen zu erzielen, und die weitgehend positiven Auswirkungen für die Umwelt.

Schnell setzte ich mich dran, einen Beschlussantrag für den Landtag zu formulieren. Es war mein erster als neu gewählter Landtagsabgeordneter. Um dabei ja keine formalen Fehler zu machen, ließ ich mir in der SVP-Landtagsfraktion ein paar alte Beschlussanträge geben. Inhaltlich fühlte ich mich fit. Die Artikel in österreichischen Fachzeitschriften hatten mich voll überzeugt.

Was passiert in Südtiroler aber, wenn eine Idee zu früh oder von den falschen Leuten kommt?

Ich bekam das politische System Südtirol sehr schnell zu spüren. Als Arbeitnehmervertreter darf man doch keine Themen der Landwirtschaft aufgreifen! Da nützte es auch nicht, auf einem Bergbauernhof aufgewachsen zu sein. Ich hatte für bestimmte Leute in der SVP nicht den richtigen Stallgeruch. So kam mein Beschlussantrag gar nicht auf die Tagesordnung des Landtages. Schon in der SVP-Landtagsfraktion wurde ich von den „richtigen” Bauernvertretern gemaßregelt. Ich wurde mit Stimmenmehrheit aufgefordert, den Antrag zurückzunehmen. Die Begründung der Bauernvertreter war, dass diese meine Forderung auf einer total überholten Idee fuße. Dieser ganze Energiezauber sei vor einigen Jahren in Mode gekommen, inzwischen aber komplett obsolet.  Einer von denen, die mich da geschlossen zurückpfiffen, war Landwirtschafts-Landesrat und ist bald darauf Landeshauptmann geworden.

Landeshauptmann ist er immer noch.

Inzwischen zieht er landauf landab, um Hackschnitzelanlagen und Biogasanlagen einzuweihen…

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