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Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, eine Autobiographie zu schreiben. Als mich liebe Freunde ersuchten, im Stile meiner Blogs zum Brenner-Basistunnel ein Büchlein zu verfassen und dabei Autobiographisches einfließen zu lassen, habe ich sofort abgewinkt. Es war nicht nur eine Frage der Zeit, die das Verfassen von Texten verschlingt, es war viel mehr eine klare Unlust, über mich selbst etwas zu publizieren. Ich begründete es etwas ironisch:

  • Noch bin ich viel zu jung, um eine Autobiographie zu verfassen!
  • Politiker, die über sich selbst Bücher schreiben, betreiben Prostitution.

Allmählich habe ich mich doch weich klopfen lassen. Und es sind sogar zwei Bücher entstanden: ein Sachbuch zum Brenner-Basistunnel, das Jutta Kusstatscher in die Hand genommen hat und das bereits erschienen ist,  und dieses hier vorliegende Büchlein, das verschiedene Episoden aus meinem politischen Leben festhält. Es ist keine Biographie, es geht mehr um einige Etappen meines politischen Lebens und der BBT spielt nur mehr eine Nebenrolle.

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Ich lade Sie ein, mich auf ein paar Etappen meines politischen Lebens zu begleiten.

Verwundert werden manche trotzdem sein, dass ich Geschichten aus meinem Leben publiziere. Ich empfinde zwar überhaupt nicht das Bedürfnis, Autobiographisches nieder zu schreiben. Trotzdem habe ich mich überzeugen lassen, dass das Bekanntmachen von verschiedenen Ereignissen und Umständen entlang meiner politischen Laufbahn den einen oder die andere interessieren könnte - auch um mehr über den Weg zu erfahren, der schließlich auch zu bestimmten politischen Positionien geführt hat.

Vielleicht können dadurch manche ermutigen werden, politisch aktiver zu werden. Vielleicht bekommen ein paar Leute mehr Lust auf Mitgestaltung im politischen Alltag in Südtirol. Vielleicht sind diese Geschichten eine kleine Hilfe gegen die häufige Behauptung, „dass man doch nichts tun könne”. Vielleicht bin ich auch imstande, ein bisschen Freude an politischem Engagement zu wecken und einen Ansporn zu geben wider die Resignation vor der Machtzementierung durch die Einheitspartei SVP, vor dem Provinzfürsten Luis Durnwalder und vor der Medienmacht Athesia.

Ich wäre sehr froh und hätte mein Ziel erreicht, wenn ich Rückmeldungen bekäme, dass sich einige mit mehr Zivilcourage in Belange der res publica einmischen und sich für eine gerechtere Mitwelt, für eine schönere Umwelt und für eine Nachwelt einsetzen, die zu mehr Hoffnung Anlass gibt.

Jenen gegenüber, die vielleicht meinen, ich sei von meinem Naturell her wie so viele Politiker exhibitionistisch, möchte ich beteuern, dass ich lieber im Hintergrund arbeite. Ich muss mich aufraffen, auf öffentlichen Bühnen zu stehen. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich meine beruflichen und politischen Positionen eher durch Geschobenwerden erreicht habe, nicht durch Vordrängen, nicht mit dem Ellebogen und auch nicht durch eigene aufwändige Wahlkämpfe. Beispiele:

  • 1973 wurde ich gebeten, den Vorsitz in der Südtiroler Hochschülerschaft zu übernehmen. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen.
  • Bauern von Villanders haben mich im November 1974 ersucht, dass ich mich als Bürgermeister von Villanders zur Verfügung stellen möge.
  • Auch beruflich: Berufsschulinspektor Karl Kuppelwieser und Landesrat  Anton Zelger haben mich gebeten,  die Leitung der Berufsschule Brixen zu übernehmen. Im Alter von bloß 33 Jahren hätte ich es mir selber gar nicht zugetraut.
  • 1985 hätte ich eine dritte Amtsperiode als Bürgermeister anhängen sollen. Ich war der Meinung, dass nach zehn Jahren ein Führungswechsel mir und der Gemeinde gut täte, und habe nicht mehr kandidiert.
  • SVP-Arbeitnehmer-Vetreter haben mich lange Zeit weich geklopft, bis ich im Februar 1988 mich bereit erklärt habe, für den Landtag zu kandidieren.
  • Genau das Gleiche war 15 Jahre später seitens der Grünen der Fall. So habe ich mich kurz vor den Landtagswahlen 2003 auf die Liste der Grünen-Verdi-Verc setzen lassen.
  • Noch mehr überreden musste man mich ein halbes Jahr später für eine Kandidatur bei den Wahlen zum Europäischen Parlament.

Dabei will ich nicht jene negativ bewerten, die ein bestimmtes Sendungsbewusstsein haben und die ein Mandat anstreben, um gesellschaftlich etwas bewegen zu können. Das halte ich durchaus für legitim.

Nur, meine Art war es nie. Wahrscheinlich hatte und habe ich zu wenig Selbstbewusstsein. Publicity mochte ich nie. Das können auch meine Mitarbeiter bestätigen, die oft darauf gedrängt haben und drängen, dass ich mich in den Medien öfter und besser „verkaufen” müsste.

Ich schreibe also über mich bzw. über Episoden aus meinem Leben, wenn meine Person hilfreich ist, um folgende Botschaft besser unter die Leute zu bringen: der Einsatz für eine ökosoziale Politik lohnt sich! Nur so - das muss ich ganz offen sagen - kann ich dieser amerikanischen Marketing-Methode bis zu einem bestimmten Maße zustimmen, auch wenn sie mir nicht gefällt.

Widerspruch, Widersprechen, das mag eine typisch männliche Tugend oder auch Untugend sein. Mein bisheriges Leben war weder harmonisch noch linear. Die scholastische Philosophie hat auf der Suche nach Wahrheit die Methode von Spruch und Widerspruch gepriesen. Insofern ist der Brixner Bischof Nikolaus Cusanus für mich ein großes Vorbild, der die Formel der Coincidentia oppositorum seinem wissenschaftlichen Arbeiten zugrunde gelegt hat. Im Nachwort seines Buches De docte ignorantia schrieb Cusanus: All unsere geistige Anstrengung muss darauf gerichtet sein, die einfache Einheit zu erreichen, in der die Widersprüche zusammenfallen („ubi contradictoria coincidunt”).

Politisch formuliert: Vielfalt und Gegensätze sind das Normale. Gleichschritt ist immer gefährlich. Das ehrliche Ringen verschiedenster Gruppierungen um jeweils bessere Lösungen für die Res publica muss das Bestreben sein.

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